Nimm Dir Zeit, den Himmel zu betrachten.
Suche Gestalten in den Wolken.
Höre das Wehen des Windes
und berühre das kühle Wasser.
Gehe mit leisen und sanften Schritten –
wir sind die Eindringlinge,
die von einem unendlichen Universum
nur für eine kurze Zeit geduldet werden.
Text am Montezuma Well in Arizona, 1993
... Natur...
... die Urkraft...
... Göttin...
... Mutter Erde...
Geist der Natur
Ich war hier vor dem Regen und der wilden See.
Ich war hier vor dem Schnee und dem Hagel.
Ich war hier vor den Bergen und den Winden.
Ich bin der Geist der Natur.
Ich bin in dem Licht, das die Erde erfüllt,
und in der Dunkelheit der Nacht.
Ich gebe der Natur ihre Farben,
denn ich bin im Wachsen
und in den Früchten der Natur.
Und ich bin auch in der Natur,
dort, wo man geheimnisvolle Weisheit entdeckt.
Ich bin in euren Liedern und in eurem Lachen.
Ich bin in den Tränen, die aus dem Kummer fließen.
Ich bin in den hellen, frohen Augen der Kinder.
Ich bin in den Gedanken, die Einigkeit geben,
Erfüllung und Einssein.
Ich bin in den Bergen
als ein gewolltes Zeichen für die ganze Menschheit,
wenn das Antlitz der Erde verunstaltet wird,
da man ihre geistige Gestalt nicht mehr erkennt.
Ich bin in euch,
wenn ihr den einfachen Weg
des Roten Mannes geht.
Ich bin in euch,
wenn ihr Liebe zum Menschen zeigt,
denn auch ich gebe Liebe denen, die lieben.
Ich bin im Widerhall der Liebe zwischen den Menschen,
denn dieses ist ein Weg,
der den Segen und die Erfüllung
des Großen Geistes finden wird.
Anonym, Einladungstext zum „Canto Al Pueblo“, 1980

Natur!
Wir sind von ihr umgeben und umschlungen -
unfähig aus ihr heraus zu treten,
und unvermögend tiefer in sie hinein zu kommen.
Ungebeten und ungewarnt nimmt sie uns
in den Kreislauf ihres Tanzes auf
und treibt sich mit uns fort,
bis wir ermüdet sind und ihrem Arme entfallen.
Sie schafft ewig neue Gestalten;
was da ist war noch nie,
was war kommt nicht wieder -
Alles ist neu und doch immer das Alte.
Wir leben mitten in ihr und sind ihr fremde.
Sie spricht unaufhörlich mit uns
und verrät uns ihr Geheimnis nicht.
Wir wirken beständig auf sie
und haben doch keine Gewalt über sie.
Sie lebt in lauter Kindern,
und die Mutter, wo ist sie? -
Sie ist die einzige Künstlerin:
aus den simpelsten Stoffen zu den größten Kontrasten:
ohne Schein der Anstrengung zu der größten Vollendung -
zur genausten Bestimmtheit immer mit etwas Weichem überzogen.
Jedes ihrer Werke hat ein eigenes Wesen,
jede ihrer Erscheinungen den isoliertesten Begriff
und doch macht alles eins aus.
Es ist ein ewiges Leben, Werden und Bewegen in ihr
und doch rückt sie nicht weiter.
Sie verwandelt sich ewig
und ist kein Moment Stillestehen in ihr.
Fürs Bleiben hat sie keinen Begriff
und ihren Fluch hat sie ans Stillestehen gehängt.
Sie ist fest. Ihr Tritt ist gemessen,
ihre Ausnahmen selten, ihre Gesetze unwandelbar.
Sie freut sich an der Illusion.
Wer diese in sich und anderen zerstört,
den straft sie als der strengste Tyrann.
Wer ihr zutraulich folgt,
den drückt sie wie ein Kind an ihr Herz.
Sie spritzt ihre Geschöpfe aus dem Nichts hervor,
und sagt ihnen nicht,
woher sie kommen und wohin sie gehen.
Sie sollen nur laufen. Die Bahn kennt sie.
Ihr Schauspiel ist immer neu,
weil sie immer neue Zuschauer schafft.
Leben ist ihre schönste Erfindung,
und der Tod ist ihr Kunstgriff viel Leben zu haben.
Sie hüllt den Menschen in Dumpfheit ein
und spornt ihn ewig zum Lichte.
Sie macht ihn abhängig zur Erde,
träg und schwer
und schüttelt ihn immer wieder auf.
Sie setzt alle Augenblicke zum längsten Lauf an
und ist alle Augenblicke am Ziele.
Sie lässt jedes Kind an sich künsteln,
jeden Toren über sie richten,
tausend stumpf über sie hingehen und nichts sehen,
und hat an allen ihre Freude
und findet bei allen ihre Rechnung.
Man gehorcht ihren Gesetzen,
auch wenn man ihnen widerstrebt,
man wirkt mit ihr,
auch wenn man gegen sie wirken will.
Sie hat keine Sprache noch Rede,
aber sie schafft Zungen und Herzen
durch die sie fühlt und spricht.
Ihre Krone ist die Liebe.
Nur durch sie kommt man ihr nahe.
Sie macht Klüfte zwischen allen Wesen
und alles will sich verschlingen.
Sie hat alles isolieret um alles zusammen zu ziehen.
Durch ein paar Züge aus dem Becher der Liebe
hält sie für ein Leben voll Mühe schadlos.
Sie ist alles.
Sie belohnt sich selbst
und bestraft sich selbst,
erfreut und quält sich selbst.
Sie ist rau und gelinde,
lieblich und schröklich,
kraftlos und allgewaltig.
Alles ist immer da in ihr.
Vergangenheit und Zukunft kennt sie nicht.
Gegenwart ist ihr Ewigkeit.
Sie ist gütig.
Ich preise sie mit allen ihren Werken.
Sie ist weise und still.
Man reißt ihr keine Erklärung vom Leibe,
trutzt ihr kein Geschenk ab, das sie nicht freiwillig gibt.
Sie ist listig, aber zu gutem Ziele,
und am besten ist's, ihre List nicht zu merken.
Sie ist ganz und doch immer unvollendet.
So wie sie's treibt, kann sie's immer treiben.
Jedem erscheint sie in einer eigenen Gestalt.
Sie verbirgt sich in tausend Namen und Termen
und ist doch immer dieselbe.
Sie hat mich hereingestellt,
sie wird mich auch heraus führen.
Ich vertraue mich ihr.
Sie mag mit mir schalten.
Sie wird ihr Werk nicht hassen.
Ich sprach nicht von ihr.
Nein, was wahr ist und was falsch ist,
alles hat sie gesprochen.
Alles ist ihre Schuld, alles ist ihr Verdienst.
Fragment aus dem "Tiefurter Journal" aus dem Umkreis Goethes 1782/83

"Es steht allerdings fest, dass hier
eine Naturverehrung zu Wort kommt...
Die Macht der Natur ist so unumschränkt und allgegenwärtig,
dass sie einer Gottheit nahekommt,
obwohl der Verfasser die Frage
der Beziehung Gott und Natur
eben auffällig vermeidet."
